So setzen Sie Maßnahmen zur Arbeitssicherheit erfolgreich um

Sie sind dabei, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen und Sie haben eine betriebsärztliche und sicherheitstechnische Betreuung bestellt? Bei einer Betriebsrevision durch die Berufsgenossenschaft wurde festgestellt, dass Sie die Auflagen des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) sowie der DGUV-Vorschrift 2 erfüllen? Dann geht es jetzt an den anspruchsvollsten Teil: Die Erarbeitung und Umsetzung von Maßnahmen. Hier sind fünf Tipps, mit denen Sie diese Maßnahmen effektiv umsetzen können.

Tipp 1: Nicht alles auf einmal, priorisieren Sie

Überlegen Sie, wie wahrscheinlich es ist, dass bestimmte Gefährdungen eintreten und was dabei passieren könnte. Fachkräfte für Arbeitssicherheit unterscheiden hier zwischen der so genannten Eintrittswahrscheinlichkeit und dem zu erwartenden Schaden.

  • Eintrittswahrscheinlichkeit: Wie wahrscheinlich ist es, dass ein bestimmtes Risiko eintritt? Hier gilt es Augenmaß anzuwenden, weil Sie natürlich nicht jede Gefährdung wissenschaftlich korrekt berechnen können.

  • Schadenshöhe: Wie groß wäre der maximale Schaden, der eintreten würde, wenn es zu einem Unfall oder einer gesundheitlichen Beeinträchtigung kommt?

Gehen Sie die Liste Ihrer Gefährdungen sowie die Maßnahmen durch. Es liegt auf der Hand, dass eine potenzielle Absturzstelle in zehn Metern Höhe sofort gesichert werden muss, während die Gefahr, dass sich eine Mitarbeiterin am Kopierpapier verletzt, deutlich geringer ist.

Tipp 2: Benennen Sie Verantwortliche für jede Maßnahme

In der Unternehmensführung gilt der Grundsatz: Aufgaben, die nicht klar verteilt sind, bleiben liegen. Beauftragen Sie einen Mitarbeiter beziehungsweise eine Mitarbeiterin, dafür zu sorgen, dass das Risiko abgestellt wird. Häufig sind es mehrere Aufgaben, die mit einer konkreten Maßnahme verbunden sind. Wenn Sie beispielsweise eine Mitarbeiterunterweisung durchführen und schriftlich protokollieren wollen, ergeben sich daraus verschiedene Aufgaben:

  • Recherche nach notwendigen Informationen: Damit Sie sicherstellen können, dass die Mitarbeiterunterweisung fachlich korrekt ist, brauchen Sie die entsprechenden Informationen.

  • Vorbereitung der Unterlagen: Um eine Mitarbeiterunterweisung zu protokollieren, brauchen Sie Bögen, die alle Beteiligten unterzeichnen. Diese Schriftstücke müssen entworfen, möglicherweise mit einer Fachkraft für Arbeitssicherheit und einem Betriebsarzt abgeklärt werden und schließlich ausgefertigt werden.

  • Durchführung der Dokumentation: Bei einer Kontrolle durch die Berufsgenossenschaft müssen Sie jederzeit nachweisen können, dass Sie die Mitarbeiterunterweisungen durchgeführt haben. Entsprechend brauchen Sie eine Person, die diese Dokumentation erstellt und ständig aktuell hält.

Die Aufgaben zu einer Maßnahme können durchaus von unterschiedlichen Personen durchgeführt werden. Aber Sie brauchen eine Person, die – im wahrsten Sinne des Wortes – den „Hut aufhat“. Diese Person muss nicht zwingend Experte oder Expertin für Arbeitssicherheit sein. Wichtiger ist, dass diese Person gut organisieren kann und Deadlines im Auge behält.

Tipp 3: Setzen Sie sich klare Termine für die Umsetzung jeder Maßnahme

Auch hier ein Grundsatz aus dem Projektmanagement: Jede Aufgabe ohne Termin wird nicht erledigt, denn es kommt immer eine Aufgabe mit Termin dazwischen. Gerade bei Fragen der Arbeitssicherheit geraten Maßnahmen und Aufgaben immer wieder aus dem Blick. Denn auch hier kommt immer was dazwischen:

  • Ein neuer Kunde oder Kundin,

  • ein neuer Auftrag,

  • ein Projekt, das dringend zu Ende gebracht werden muss.

Kunden*innen drängeln, Rechnungen werden nicht bezahlt etc. Der komplette unternehmerische Wahnsinn. Und plötzlich kündigt sich die Berufsgenossenschaft für eine Kontrolle an und Sie stellen fest: Mist! Alle Maßnahmen nicht umgesetzt.

Setzen Sie sich klare zeitliche Ziele für die Umsetzung von Maßnahmen und den dazugehörigen Aufgaben. Dokumentieren Sie, welche Maßnahmen Sie bis wann umgesetzt haben wollen. Warum ist das empfehlenswert?

Stellen Sie sich vor, die Berufsgenossenschaft kommt unangemeldet zu einer Kontrolle bei Ihnen vorbei. Und der Kontrolleur fragt: „Haben Sie die Maßnahmen bereits umgesetzt?“ Sie können als Antwort genau belegen, dass Sie die Maßnahmen nach Prioritäten abarbeiten, Verantwortliche benannt und einen Zeitplan ausgearbeitet haben. Falls Sie keine lebensgefährlichen Gefährdungen übersehen haben, wird die Berufsgenossenschaft das wahrscheinlich akzeptieren.

Tipp 4: Überprüfen Sie den Stand der Maßnahmen regelmäßig

Setzen Sie sich bereits bei der Erarbeitung eines Maßnahmenplans feste Termine für Zwischenkontrollen. Dafür empfiehlt sich ein so genannter Arbeitssicherheitsausschuss (ASA). In diesem Ausschuss sitzen Experten und Expertinnen aus den verschiedenen Bereichen, die gemeinsam den Stand aller Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitssicherheit besprechen.

Überprüfen Sie,

  • welche Maßnahmen erfolgreich umgesetzt wurden,

  • welche Hindernisse es bei einzelnen Maßnahmen gibt und

  • welche Maßnahmen noch nicht begonnen wurden.

Falls Sie mit der Umsetzung von Maßnahmen im Rückstand sind: Protokollieren Sie die Ursachen genau und erarbeiten Sie einen neuen, realistischen Zeitplan. Es kann schließlich immer etwas dazwischenkommen. Wichtig ist hier, dass Sie bei einer Kontrolle durch die Berufsgenossenschaft jederzeit eine Dokumentation vorliegen haben.

Tipp 5: Überprüfen Sie die Wirksamkeit von Maßnahmen regelmäßig

Nachdem Sie Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitssicherheit erfolgreich umgesetzt haben, ist noch lange nicht Schluss. Setzen Sie sich Review-Termine, also: Feste Zeitpunkte, zu denen Sie überprüfen, ob die Maßnahmen langfristig wirken. Denn es kann sein – dass liegt in der Natur der Arbeitssicherheit – dass Maßnahmen in der Praxis nicht so wirken, wie man es sich in der Theorie vorgestellt hat. Dazu dienen diese Review-Termine.

  • Sprechen Sie vor einem Review-Termin mit den Beschäftigten, für die die Maßnahmen erarbeitet worden sind. Fragen Sie, ob und wie die Maßnahme zur Steigerung der Arbeitssicherheit beigetragen hat.

  • Protokollieren Sie die Aussagen Ihrer Beschäftigten in einer kurzen Aktennotiz, damit Sie bei einer Kontrolle beziehungsweise Betriebsrevision durch die Berufsgenossenschaft nachweisen können, warum Maßnahmen wirksam sind beziehungsweise überarbeitet werden.

  • Stellen Sie bei Review-Terminen Maßnahmen immer wieder bewusst infrage. Die einfache Frage lautet: „Gibt es noch bessere Maßnahmen, mit denen wir die Gefährdung noch wirksamer vermindern können?“

Vorsicht vor Routine! Schnell kommt man zum Schluss, eine Maßnahme sei wirksam und vergisst, diese Wirksamkeit regelmäßig zu kontrollieren. Stellen Sie sich ein Flugzeug vor, bei dem sich der Pilot denkt: „Die Maschine ist ja frisch gewartet, da kann ich heute auf die Abarbeitung meiner Checkliste vor dem Flug verzichten.“ Wahrscheinlich denken Sie: „Grob fahrlässig.“ Genauso ist es bei der Arbeitssicherheit. Wiederholung, Wiederholung und immer wieder Wiederholung.

Fazit: Einer Kontrolle durch die Berufsgenossenschaft entspannt entgegenblicken

Wenn Sie ihre Maßnahmen priorisieren, Verantwortlichkeiten und Umsetzungstermine definiert haben, den Stand der Umsetzung von Maßnahmen regelmäßig kontrollieren und sich Review-Termine setzen, ist Ihre Gefährdungsbeurteilung vollständig. Denn was man bei dem Begriff der Gefährdungsbeurteilung häufig übersieht: Es geht nicht nur darum, die Gefährdungen zu beurteilen, sondern die richtigen Maßnahmen zum Schutz von Beschäftigten zu treffen und umzusetzen.

Arbeitssicherheit-sofort hilft Ihnen, die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Wenn sich die Berufsgenossenschaft für eine Kontrolle bei Ihnen angemeldet hat, können Sie mit der Online-Gefährdungsbeurteilung von Arbeitssicherheit-sofort schnell und einfach alle Gefährdungen im Betrieb beurteilen. Wir stellen die betriebsmedizinische und sicherheitstechnische Betreuung Ihrer Beschäftigten sicher.

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