Gefährdungsbeurteilung erstellen: So geht es

Sie möchten eine Gefährdungsbeurteilung erstellen? Bei einer Kontrolle durch die Berufsgenossenschaft wurde bemängelt, dass Sie bislang keine Gefährdungsbeurteilung vorliegen haben? In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie schnell und einfach Ihren Rechtspflichten nach dem Arbeitsschutzgesetz (ASchG) nachkommen können.

Warum eine Gefährdungsbeurteilung erstellen?

Gemäß §5 des Arbeitsschutzgesetzes (ASchG) sind Arbeitgeber*innen dazu verpflichtet eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. Sie dient dazu, Gefährdungen für Beschäftigte am Arbeitsplatz zu identifizieren, Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitssicherheit zu erarbeiten und diese umzusetzen.

  • Wenn Sie durch die Berufsgenossenschaft kontrolliert werden, wird im Mängelbericht eine fehlende Gefährdungsbeurteilung aufgeführt.
  • Sie werden aufgefordert, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen.

Was steht in einer Gefährdungsbeurteilung drin?

Wenn Sie eine Gefährdungsbeurteilung erstellen, sind Sie grundsätzlich in der Form frei. In §5 Abs 3 Arbeitsschutzgesetz (ArSchG) sind die Bereiche beschrieben, die Sie beim Erstellen einer Gefährdungsbeurteilung beachten müssen:

  1. die Gestaltung und die Einrichtung der Arbeitsstätte und des Arbeitsplatzes,
  2. physikalische, chemische und biologische Einwirkungen,
  3. die Gestaltung, die Auswahl und den Einsatz von Arbeitsmitteln, insbesondere von Arbeitsstoffen, Maschinen, Geräten und Anlagen sowie den Umgang damit,
  4. die Gestaltung von Arbeits- und Fertigungsverfahren, Arbeitsabläufen und Arbeitszeit und deren Zusammenwirken,
  5. unzureichende Qualifikation und Unterweisung der Beschäftigten,
  6. psychische Belastungen bei der Arbeit.

In der Durchführungsvorschrift, der sogenannten DGUV2, sowie in der Praxis der Berufsgenossenschaften hat sich eine Systematik entwickelt, die sich als sinnvoll erwiesen hat.

  • Gefährdungen durch die Arbeitsplatzgestaltung

Eine Gefährdungsbeurteilung beginnt mit einem allgemeinen Teil. In diesem wird abgefragt, inwieweit Arbeitssicherheit in der Unternehmenskommunikation eine Rolle spielt, Beschäftigte regelmäßig unterwiesen werden, notwendige Maßnahmen zum Brandschutz festgelegt wurden, eine Erste Hilfeausrüstung vorhanden ist etc.

Auch wird abgefragt, inwieweit vom Arbeitsplatz selbst Gefahren für die Gesundheit von Beschäftigten ausgehen. Können Sie stürzen oder ausrutschen? Besteht Absturzgefahr durch fehlende Absperrungen? Oder sind Arbeitsplätze so gestaltet, dass langfristig Rückenschäden für Beschäftigte zu befürchten sind?

  • Gefährdungen durch Maschinen und Geräte

An praktisch jedem Arbeitsplatz werden Geräte bedient. Ob es die Kaffeemaschine im Büro, der Staubsauger der Reinigungsfachkraft, die Maschine in der Produktionshalle oder der Gabelstapler im Lager ist – Geräte und Maschinen gehören zur Arbeit dazu.

Wenn Sie eine Gefährdungsbeurteilung erstellen, müssen Sie Gefährdungen, die von diesen Geräten und Maschinen ausgehen, auflisten. Auch Gefährdungen durch Elektrizität, beispielsweise durch freiliegende Kabel oder Gefährdungen beim Öffnen von Geräten werden hier aufgelistet.

Die erste Maßnahme, mit der Sie Gefährdungen durch Geräte und Maschinen vermindern können, ist in der Regel die Erarbeitung von Betriebsanweisungen zum Umgang mit diesen Geräten sowie die Durchführung regelmäßiger Mitarbeiterunterweisungen.

In §5 (3) Arbeitsschutzgesetz fordert der Gesetzgeber indirekt, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten die notwendige Kompetenz zu vermitteln haben, um Gefährdungen zu senken.

  • Besondere Gefährdungen

In vielen Unternehmen existieren branchenspezifische Gefährdungen, die sich aus dem Umgang mit bestimmten Stoffen ergeben. Dies können Gase, Dämpfe, Aerosole, Stäube oder andere Stoffe sein.

In anderen Unternehmen kann die Gesundheit von Beschäftigten durch Strahlungen oder biologische Gefährdungen bestehen. Wenn Sie eine Gefährdungsbeurteilung erstellen, sollten Sie systematisch biologische, physische und chemische Gefährdungen ermitteln. Praktisch bedeutet das:

  • Gehen Sie die Liste der Stoffe durch, mit denen Ihre Beschäftigten in Kontakt kommen.
  • Überlegen Sie, welchen biologischen Gefährdungen Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ausgesetzt sind.
  • Listen Sie mögliche spezielle physikalische Einwirkungen auf, denen Beschäftigte am Arbeitsplatz ausgesetzt sind.

Dieser Teil der Gefährdungsbeurteilung ist von Branche zu Branche und von Unternehmen zu Unternehmen verschieden.

  • Psychische Belastungen

Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Gründen für Fehlzeiten. Entstehen können diese durch

  • Über- oder Unterforderung von Beschäftigten,
  • die sozialen Bedingungen am Arbeitsplatz,
  • für Beschäftigte ungünstige Arbeitszeitregelungen oder
  • durch zu viel beziehungsweise zu wenig Handlungsspielraum.

Beim Erstellen einer Gefährdungsbeurteilung kommt diesen Faktoren deshalb eine besondere Bedeutung zu.

  • Genau wie die grundsätzlichen Fragen und die Fragen der Arbeitsplatzgestaltung, treffen Fragen zu psychischen Belastungen von Beschäftigten auf jede Branche zu.
  • Zugleich sind diese Belastungsfaktoren auch diejenigen, die sich am schwersten beurteilen lassen. Häufig ist nicht einmal den Betroffenen selbst bewusst, dass sie durch ihre Aufgaben beispielsweise über- oder unterfordert sind.
  • Selbst bestellte Betriebsärzte haben es schwer, solche Faktoren eindeutig zu identifizieren.

Dennoch ist die Auseinandersetzung mit psychischen Belastungsfaktoren ein wichtiger Punkt, wenn Sie eine Gefährdungsbeurteilung erstellen.

Maßnahmen erarbeiten und umsetzen

Wenn Sie eine Gefährdungsbeurteilung erstellen, ist die Auflistung potenzieller Gefährdungen nur der Anfang. Der Gesetzgeber fordert von Arbeitgebern Maßnahmen zu erarbeiten, um Risiken für die Gesundheit von Beschäftigten zu senken. Zur Gefährdungsbeurteilung gehört daher zwingend die Erarbeitung eines Maßnahmenplans.

  • Entwickeln Sie eine oder mehrere Maßnahmen für jede identifizierte Gefährdung. Achten Sie darauf, dass die Maßnahmen geeignet sind, um die Gefährdungen abzustellen oder zu vermindern.

  • Vergeben Sie Verantwortlichkeiten. Delegieren Sie die Erledigung der Maßnahmen an Führungskräfte oder Beschäftigte. Aus einer Gefährdungsbeurteilung sollte klar hervorgehen, wer für welche Maßnahme verantwortlich ist.

  • Setzen Sie klare zeitliche Ziele für die Umsetzung der Maßnahmen. Wenn Sie bei einer Kontrolle durch die Berufsgenossenschaft vorweisen können, dass Sie durch die Erstellung der Gefährdungsbeurteilung Maßnahmen identifiziert und einen klaren Zeitplan für die Umsetzung von Maßnahmen erarbeitet haben, ist dies in jedem Fall für die Berufsgenossenschaft sehr überzeugend.

  • Kontrollieren Sie die Umsetzung. Damit wird in vielen Unternehmen ein so genannter „Arbeitssicherheitsausschuss“ (ASA) beauftragt. Eine der wichtigsten Aufgaben ist zu überprüfen, ob Maßnahmen dem Zeitplan gemäß umgesetzt wurden.

  • Kontrollieren Sie die Wirksamkeit der Maßnahmen! Nachdem Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitssicherheit aus der Gefährdungsbeurteilung abgeleitet und umgesetzt wurden, gilt es zu überprüfen, inwieweit das Ziel erreicht wurde.

  • Setzen Sie sich einen Zeitpunkt zu dem die Wirksamkeit von Maßnahmen durch Sie und/oder einen Arbeitssicherheitsausschuss kontrolliert wird. Konnte die Gefährdung vermindert werden? Konnte die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Risikos gesenkt werden? Konnten durch die Maßnahmen mögliche Auswirkungen eines Risikos vermindert werden?

Wann gilt eine Gefährdungsbeurteilung als angemessen erstellt?

Zur Frage, wann eine Gefährdungsbeurteilung als angemessen erstellt anzusehen ist, hat die Geschäftsstelle der nationalen Arbeitsschutzkonferenz die so genannte „Leitlinie Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation“ erstellt.

In dieser heißt es: Eine Gefährdungsbeurteilung wurde angemessen durchgeführt, wenn die folgenden fünf Punkte zutreffen:

1. „Die betriebliche Gefährdungsbeurteilung im Wesentlichen durchgeführt und zutreffend bewertet wurde.“

Für Sie als Arbeitgeber bedeutet dies: Selbst, wenn Sie beim Erstellen einer Gefährdungsbeurteilung Details vergessen haben, gilt sie trotzdem als angemessen durchgeführt.

2. „Wenn Maßnahmen des Arbeitgebers ausreichend und geeignet sind.“

Hier kommt es auf die Anzahl und die Qualität von Maßnahmen an.

  • Anzahl von Maßnahmen: Es genügt also nicht, Beschäftigte einmal durch eine Mitarbeiterunterweisung auf potenzielle Gefährdungen hinzuweisen. Diese Maßnahmen würden bei einer Kontrolle durch die Berufsgenossenschaft möglicherweise als nicht ausreichend betrachtet werden.
  • Qualität von Maßnahmen: Wenn Sie beispielsweise zum Schutz vor Verbrennungen an Maschinen als einzige Maßnahme „Hautcreme ausgeben“ identifizieren, wird dies mit Sicherheit als nicht geeignet angesehen.

3. „Wenn die Wirksamkeitskontrollen durchgeführt werden.“

 

Dies betrifft den letzten Punkt aus dem vorherigen Absatz. Kontrollieren Sie, inwieweit Maßnahmen, die Sie durchgeführt haben, Gefährdungen wirksam vermindern oder beseitigen.

4. „Wenn die Beurteilung aktuell ist.“

Als Faustregel gilt: Die Gefährdungsbeurteilung sollte mindestens einmal im Jahr wiederholt werden. Gehen Sie dabei alle Gefährdungen durch und überprüfen Sie, inwieweit diese immer noch bestehen.

Überprüfen Sie, inwieweit möglicherweise neue Gefährdungen dazu gekommen sind. Wenn Sie beispielsweise neue Maschinen oder Geräte anschaffen, entstehen dadurch neue Gefährdungen.

5. „Wenn die Dokumentation in Form und Inhalt angemessen vorliegt.“

Sie sollten auf jeden Fall eine Liste von Gefährdungen und Maßnahmen vorliegen haben. Die Dokumentation über Gefährdungen und die von Ihnen getroffenen Maßnahmen sollte auf jeden Fall schriftlich/digital und bei einer Kontrolle durch die Berufsgenossenschaft sofort griffbereit sein.

Tools zum Erstellen einer Gefährdungsbeurteilung

Mit den Tools von Arbeitssicherheit sofort können Sie schnell und einfach eine Gefährdungsbeurteilung erstellen.

  • Sie werden Schritt für Schritt durch den Prozess geführt,
  • beantworten Fragen,
  • erarbeiten Maßnahmen und
  • überprüfen die Wirksamkeit.

Arbeitssicherheit sofort hilft Ihnen, schnell und einfach eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen.

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